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Eine Idee lebt mit

Die nachfolgenden Zeilen und Worte sind unsere Vision. Ob wir jemals in der Lage sein werden, diese umzusetzen, lässt sich heute noch nicht abschätzen.

Zukunft kann man nur durch Veränderungen und ständig neue Ideen gestalten. Wir haben uns zumindest Gedanken gemacht, wie wir uns in eine Weiterentwicklung unserer Heimatstadt einbringen können. Wenn dies jeder tut, sind wir einen großen Schritt in Richtung Zukunft unterwegs. Wir laden Sie ein, in unsere Vision mit einzutauchen. Falls uns jemand dabei unterstützen möchte, sind wir gern für Sie erreichbar.

DIE HOFFNUNG NACH DER FLUT

Ein Kunstprojekt zur Wiederbelebung eines hochwassergeschädigten Kulturdenkmals
mit überregionalem Charakter

Haus Markert
09526 Olbernhau, Grünthaler Str. 22

Ein Gemeinschaftsprojekt von:
Haus Markert
und dem Projektbüro „plan B“ der Fakultät für Architektur an der Technischen Universität Dresden

Auszug aus dem Begleittext zum Kunstprojekt:

Vorwort

Sehr geehrte Damen und Herren,

dieses Projekt ist ein Ergebnis der verheerenden Flut vom 12./13. August 2002 in Olbernhau. Unser Haus, dass sich nunmehr in dritter Generation in Familienbesitz befindet, wurde von den Fluten überrascht und beschädigt. In zwei Wellen wurde die Stadt Olbernhau Opfer des Hochwassers. Mit der Hilfe von Freunden, Nachbarn, Verwandten, Feuerwehr, DRK, sowie freiwilligen Helfern wurden die Folgen des Ereignisses beräumt und anfängliche Normalität wieder hergestellt.

Das anerkannte Kulturdenkmal stand nunmehr, seiner Geschichte als Haus des Korbmacherhandwerkes in Olbernhau beraubt, vor einer ungewissen Zukunft. Dabei waren die Bedenken, dass sich dieses Ereignis jederzeit wiederholen konnte allgegenwärtig. Anfangs gab es keine Hoffnung sondern nur Entsetzen, oft auch Mutlosigkeit und Erschöpfung. Gesichtsausdrücke sagten mehr als Worte. Es galt Hoffnung zu verbreiten. Diese haben wir insbesondere in der unendlichen Hilfsbereitschaft unserer Helfer, der Verwandtschaft und Familie gefunden. Die Menschlichkeit dieser Tage im August 2002 hat uns zum Weitermachen, zum Anpacken und zum Optimismus bewogen. Der Wiederaufbau und die damit verbundene Wiederherstellung des Kulturdenkmals sollen ein Zeichen setzen für die Zukunft, für die Stadt Olbernhau und seine Bürger und die gesamte deutsch-tschechische Grenzregion.

Wir haben ein Projekt entworfen, welches Kulturdenkmal, Kunst, die Region und die Menschen miteinander verbindet. Das Projekt „Die Hoffnung nach der Flut“ soll eine multiplikatorische Wirkung auch für andere Hausbesitzer bieten, ebenfalls ihr Wohnumfeld mit Leben und Optimismus zu gestalten. Natürliche Kunst ist ein Ausdruck von Leben, Freude, Hoffnung und Wirklichkeit. Ich möchte mit dieser Projektidee die Menschen im Erzgebirge motivieren und ermutigen sich für ihre Heimat, die an der Grenze zum erweiterten Europa steht, einzusetzen und solche Ideen als Chance für ihre Zukunft zu verstehen.

Ich danke den Mitarbeitern des „plan B“ - Büros der Fakultät für Architektur an der TU Dresden für die gute Zusammenarbeit, das Verständnis und die Unterstützung.

Olbernhau, 27.07.2004

Jörg Markert

Die Flut vom 12./13.08.2002

In den Morgenstunden des 12. August 2002 suchte die bisher größte bekannte Flutkatastrophe die Stadt heim. In den darauf folgenden 24 Stunden wurde die Stadt in zwei Flutwellen überrollt. Dabei trat die nahegelegene Flöha so weit aus dem Flussbett, dass das Haus von allen Seiten vom Wasser umspült war. Hinter dem Haus, ebenso wie vor dem Gebäude bildeten sich reißende Strömungen, die ein „Durchkommen“ unmöglich machten. Das Wasser stand ca. 1,50 im Haus. Der Keller, das Erdgeschoss mit den beiden Geschäften und die Garage etc. waren vollständig mit Wasser voll gelaufen. Der Kellerboden des Gebäudes hatte sich durch den Druck des Grundwassers in der Folgezeit gehoben. Die Schäden am Gebäude waren immens und sind bis heute nicht vollständig behoben.

Doch wie sollte es weiter gehen? Es waren die Menschen und die Helfer um uns herum, die uns Mut machten. Dies half wieder neue Kraft zu finden und die große Aufgabe, die vor uns stand anzupacken. So entstanden die ersten Gedanken, etwas Neues und Schönes zu schaffen, etwas was an die schrecklichen Stunden aber auch an die Hoffnung, den Mut und den Lebenswillen erinnern sollte. Unsere Stadt wurde wieder aufgebaut, so dass man heute nur noch wenig von den Schäden des Hochwassers sieht.

Die Projektidee / Ziele / Wirkung und Bedeutung

Aus diesen Erlebnissen, Eindrücken und Gefühlen des Hochwassers heraus beschlossen wir das Projekt Haussanierung zu starten. Wir wollen das Haus wieder mit Leben erwecken und die vorhandenen Wohnungen und Geschäfte so wieder herstellen, dass Menschen mit Freude darin leben und arbeiten können.

Durch meine Dresdner Eindrücke und Streiftouren in der vielfältigen historischen Bausubstanz der Stadt, bin ich immer wieder im Dresdner „Kunsthof“ stehen geblieben. Dies ist ein Häuserkomplex in der Äußeren Neustadt der durch künstlerische Gestaltung mittlerweile weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. Man sagt, es gebe kaum einen Besucher der Dresden verlässt ohne im Kunsthof gewesen zu sein. Im Ergebnis hat man durch äußere bezahlbare Gestaltung der Häuserfassaden und Innenhöfe „normale“ Mehrfamilienhäuser so attraktiv gestaltet, dass sich eine Eigendynamik entwickelt hat. Andere Hausbesitzer versuchen nachzueifern und so entsteht Stück für Stück ein Dresdner Original, ein Kleinod. Ein Besuch ist nur zu empfehlen.

Dieses Projekt hat mich derart begeistert, dass ich der Meinung bin, wir sollten so etwas auch in Olbernhau versuchen. Es hat folgende wesentliche Vorteile. Es entsteht ein attraktiv gestaltetes Haus in der Innenstadt von Olbernhau im Sanierungsgebiet Altstadt. Dies hat einen multiplikatorischen Charakter für andere Hausbesitzer, eine weitreichende Wirkung für Besucher und Gäste.

Den Mietern im Haus wird darüber hinaus ein Stück Identität gegeben. Sie sollen sich freuen, gerade in diesem Haus zu wohnen. Die Stadt erhält ein Stück Kunst, Kultur und ein Kulturdenkmal mit einzigartigem Charakter. Schließlich ist die Gestaltung eine Erinnerung an die Flut und die Hoffnung die danach keimte. Wir wollen nicht vergessen, dass es auch Menschen gab, die daran dachten, ihre Heimat für immer zu verlassen, weil sie eben keine Hoffnung mehr hatten auf ein normales Weiterleben.

Von diesen Eindrücken geprägt, wurden alle mit Fragen des Denkmalschutzes, der Architektur und der Baukunst betrauten Universitäten und Fachhochschulen des Freistaates von mir angeschrieben, indem ich die Projektidee und den Hintergrund beschrieb. Im Ergebnis dessen entwickelte sich schließlich ein lebhafter und freundschaftlicher Kontakt zur TU Dresden. Mit dem dortigen Projektbüro „plan B“ der Fakultät für Architektur bestand eine direkte Zusammenarbeit.

In einem ersten Abschnitt wurde ein Workshop vor Ort in Olbernhau zum Vorhaben durchgeführt. Hier ging es vor allem darum Haus, Idee, Ort und Umgebung kennen zu lernen. Dies ist für die Projektfindung wichtig, weil sich das Kunstwerk in den Ort und die Umgebung einfügen soll und auch Aspekte modernen Wohnens berücksichtigt werden sollen. Der erste Abschnitt der Zusammenarbeit war somit ein Brainstorming, wo Ideen gesammelt, visuell dargestellt und im Ergebnis durch uns bewertet wurden.

Es entstanden ca. 15 Projektideen, die ein weites Feld an Vorstellungen umfasste. Diese Phase der Ideenfindung dauerte ca. 9 Monate. Grundlage waren auch häufige Absprachen und Beratungen in der Technischen Universität in Dresden. Das Projekt nahm nun konkrete Formen an. Im Ergebnis zielt das Projekt nicht auf die einzelne Bausubstanz sondern soll vielmehr eine Bereicherung für die Stadt, für die Umgebung und die Region darstellen. In weiteren 5 Monaten reifte dieses Projekt in seiner heutigen Form.

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Das Gestaltungskonzept

Ein sichtbares Hoffnungszeichen. Das Wohn- und Geschäftshaus Markert soll durch eine neue Außengestaltung ein Signal dafür werden, dass in Olbernhau nach der Flut wieder Ungewöhnliches und Überraschendes entsteht. Das farbenfrohe Gebäude, das mit ungewöhnlichen Formen und Motiven spielt, wird eine markante Erscheinung im Ortsbild werden - und will ebenso auch ein emotionales Zeichen setzen. Hier möchten Optimismus, Hoffnung und der Mut zu Neuem vermittelt werden - "Wir packen es an! Wir machen weiter!". Mit der Neugestaltung soll für die Stadt Olbernhau ein Gebäude entstehen, mit der sich die Menschen vor Ort gerne identifizieren und das auch für Touristen einen Überraschungseffekt darstellt ("Aber Hallo! Wer hätte das erwartet..."). Die Fassaden nehmen daher ausdrücklich Bezug auf den speziellen Charakter des Ortes, auf seine besondere Geschichte und seine Menschen.

Ortsbezug. In der konkreten baulichen Umgebung wurde ein selbstbewusster Kontrast zum baulichen Bestand der Umgebung angestrebt. In beabsichtigtem Gegensatz zur Vorderfront des Hauses - der denkmalgeschützten Jugendstilfassade zur Grünthaler Straße – setzen sich die neuen Süd- und Ostfassaden klar ab; sie werden zur eigentlichen Schauseite des Gebäudes. Dabei spielt die Farbgestaltung eine zentrale Rolle: mit dem kräftigen Kontrast von warmen, leuchtendem Orange und einem tiefen Blau entsteht einerseits ein lebendiges Farbspiel, das positiv und aktivierend wirkt. Andererseits werden die durch Vor- und Rücksprünge sowie Schuppenanbauten übermäßig zergliederten Rückfassaden auf einfache Weise vereinheitlicht und gestalterisch aufgewertet. Damit entsteht ein qualitätsvolles Beispiel, wie mit geringem Aufwand kleinteilige und unansehnliche Rückbebauungen attraktiv umgestaltet werden können. Für Anwohner und Besucher gleichermaßen wird damit das Erscheinungsbild des Ortes positiv aufgewertet.

Südseite. Die weithin sichtbare und öffentlich zugängliche Südseite erhält "tiefe" Fassaden. Zwei Hauptmotive charakterisieren ihre Ansicht: ein tiefblauer Anstrich der Außenwände einerseits sowie drei verschieden große, vor die Fassaden gestellte „Bilderrahmen" andererseits. Die orange gestrichenen Rahmen heben sich kräftig gegen den dunklen Untergrund ab und geben den Gebäuden klare Konturen. Sie erzählen Geschichten, fassen verschiedene Bilder ein und ermöglichen ungewöhnliche Ein- und Ausblicke. Allen drei Rahmen gemeinsam sind farbige Tafeln, "Flocken" oder "Sterne", die auf dem dunklen Grund treiben wie leuchtende Blätter auf einer ruhigen Wasseroberfläche. Wasser wird nicht als zerstörerisches Element symbolisiert, sondern als Ursprung von Hoffnung und Gelassenheit.

Der vor das Wohngebäude in einem Abstand von ca. 2m aufgestellte größte Rahmen zeigt - aus einiger Entfernung betrachtet – geheimnisvolle geometrische Muster. Hingestreut und mit einander verbunden, entstehen abstrakte Bilder wie von Schneeflocken oder Sternbildern an einem Abendhimmel. Mit den durchscheinenden Farbtafeln ergeben sich auch aus dem Haus neue Sichtweisen: neben dem Panorama der schönen Erzgebirgslandschaft ("Olbernhau, Stadt der 7 Täler") erscheinen die bunten Tafeln als ungewohnte Lichtspiele, die im Sonnenlicht aufleuchten wie farbige Fenster in einer gotischen Kirche.

Der zweite, vor der Südwand des Nebengebäudes gestellte Rahmen erscheint wie ein verkleinertes Abbild des dahinter stehenden großen Rahmens. Eng an die Stirnseite des Anbaues gerückt, erscheint dieser Rahmen wie eine dicht gepackte Spielzeugkiste - ein Hinweis auf die Tradition der Spielzeugmanufakturen in Olbernhau, das als „Tor zum Spielzeugland“ gilt. In diesem Bild herrscht lebendige, kreative Unordnung, die zum Spielen einlädt.

Der dritte und kleinste Rahmen ist ein Kasten zum Hineinschauen und "studieren" - ein winziges Schaufenster an der Südseite der Garage. Um das Fenster herum schweben erste kleine Flocken und Farbblättchen über die ebenfalls abendblaue Garagenwand – sie sind irgendwie aus dem Rahmen gefallen, als Sternschnuppen unterwegs. In den Guckkasten können Kinder wie Erwachsene einen Blick riskieren – vielleicht sind hier die kleinen Schmuckstücke der Spielzeugwerkstätten ausgestellt, neue und alte Spielzeuge. Zu Schauen gibt es immer was.

Ostseite: Im Gegensatz zu den Südseiten sind die Ostseiten "flache" Fassaden - große Wandbilder auf leuchtendem, orangefarbigem Grund. Auf ihnen wird Wasser als Symbol des Lebens dargestellt: sie sind spielerisch „betupft“ mit blauen Punkten – wie Wasserperlen auf einem warmen Stein. Gleichzeitig kann man durch die blauen Punkte wie mit Linsen durch das Haus hindurchschauen – für die Menschen auf der Grünthaler Straße deuten sie an, wie die von der Vorderseite aus nicht sichtbaren, blauen Südseiten gestaltet sind.

Die langgestreckte Ostwand des Nebengebäudes fungiert als "Fassaden-Garten" – eine vertikale Verlängerung des kleinen Rasenstückes hinter dem Wohngebäude. Auf einem Seilgeflecht rankt vor orangefarbenem Untergrund eine Bepflanzung bis zum Dach empor und setzt sich auf diesem als extensives Gründach fort. Wie ein ausgerollter grüner Teppich verlängert sich der kleine Garten des Hauses auf dem Nebengebäude. Im Zusammenspiel mit den blauen Wassertropfen wächst hier symbolisch neues Leben. Von ihren Wohnräumen und Balkonen aus bieten sich für die Bewohner damit neue, attraktivere Ausblicke - im Gegensatz zu den sonst wenig ansprechenden Papp- und Blechdächern.

Bei Fragen zu unserem Kunstprojekt nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf.

 

 

 

Haus Markert
Grünthaler Str. 22   09526 Olbernhau

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